Was ist Tinnitus?

Als Tinnitus werden alle Geräusche und Töne bezeichnet, welche nicht auf eine äussere Schallquelle zurückzuführen sind. Nur der oder die Betroffene selbst kann diese hören. Man spricht dann vom subjektiven Tinnitus. Dieser wird als "akut" bezeichnet, wenn er erst kürzlich aufgetreten ist. Und als "chronisch", wenn er bereits seit mehr als 3 Monaten besteht.

Tinnitus ist weit verbreitet und kann unter bestimmten Bedingungen ein normales Phänomen sein. Auch bei starker Erregung oder Angst kann er häufig auftreten. Diese Art von Tinnitus unterscheidet sich jedoch grundlegend vom schweren, quälenden Tinnitus, über welchen etwa 30000 Menschen in der Schweiz klagen. Sie erleben ihren Alltag durch pfeifende Ohrgeräusche als so behindert, dass sie oft nicht schlafen können, in ihrer Konzentration deutlich beeinträchtigt sind und auch psychischen Belastungen nicht mehr standhalten können.

Ursachen und Entstehung von Tinnitus

Früher wurde Tinnitus als eine eigenständige Krankheit verstanden. Neuere Forschungen lassen jedoch auf verschiedene Auslöser, unterschiedliche Krankheitsmodelle, sowie unterschiedlichen Leidensdruck schliessen. Ebenso stellen sich die Auswirkungen des Tinnitus für die Betroffenen als sehr vielschichtig und individuell dar. Unabhängig von den Tinnitus-Merkmalen wie Lautheit/Intensität, Qualität oder Frequenz.

Zwar kann seelische Belastung den nervenden Reiz verstärken und ihn weiter ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Doch der Tinnitus ist im Grunde nur ein Symptom. Symptom eines Schadens in den Hörbahnen, der den Patienten meist nicht nur schlechter hören lässt, sondern auch das Sirren, Klingeln, Rasseln zur Folge haben kann. Dafür gibt es verschiedene Ursachen: Entzündungen, Lärmschäden, Fehlbildungen, Bluthochdruck oder Erkrankungen an der Halswirbelsäule.

Das lärmende Ohrgeräusch sitzt nicht nur in den Ohren, sondern vor allem zwischen ihnen, im Gehirn. Dort, an ganz unterschiedlichen Stationen der Hörverarbeitung, haben Hirnforscher Hinweise auf verstärkte Aktivität und strukturelle Veränderungen gefunden. Offenbar reagiert das Gehirn sehr rasch und umfassend auf Hörschäden: mit dem Umbau von Nervenverknüpfungen und der Neuverteilung jener Aufgaben, die von den schadhaften Bereichen nicht mehr erfüllt werden können.

Einige Areale erzeugen dann Phantomtöne. Und zwar auf jenen Frequenzen, auf denen wegen des lädierten Gehörs keine Reize mehr einlaufen - ähnlich wie bei Menschen, welche nach Abnahme von Gliedmassen noch immer über Schmerz in diesen Bereichen berichten. Gestützt werden die Beobachtungen der Hirnforscher durch die Untersuchungen von HNO-Ärzten: Fast immer liegt der Tinnitus des Patienten auf derselben Schallfrequenz, auf der auch sein Hören nachgelassen hat.

Therapie des Ohrgeräusches/Tinnitus

Das bereits beschriebene sehr individuelle Erleben des Tinnitus macht eine individuelle Festlegung der Therapieziele notwendig. So steht eventuell nicht für alle Betroffenen nur die Reduktion der Intensität des Tinnitus im Vordergrund, sondern allenfalls auch der Umgang mit den vielfältigen Auswirkungen des Ohrgeräusches oder die Bewältigung von tinnitusverschärfenden Faktoren.

Allgemein gilt: Eine gesunde Lebensführung, eine positive Lebenseinstellung und Entspannungsübungen sind für den Umgang mit Tinnitus hilfreich. Ebenso der Erfahrungsaustausch mit Gleichbetroffenen. Beim dekompensierten Tinnitus, der sehr belastenden Tinnitus-Form, liegt in der Regel die Ausbildung einer Sekundärsymptomatik vor: Die Betroffenen können aus eigener Kraft nicht mehr den Teufelskreis aus Zukunftssorgen, den lauter werdenden Tinnitus, den Ängsten und Schlafstörungen durchbrechen. Gerade hierbei kommt der ausführlichen ärztlichen Diagnostik, wie auch der therapeutischen Abklärung eine besondere Bedeutung zu, um Einflussfaktoren und Ursachen des Ohrgeräusches genau zu analysieren.

Alle Therapieschritte erfordern eine individuelle Anpassung, da mit steigendem Leidensdruck die psychischen und emotionalen Faktoren zunehmend im Vordergrund stehen.

Nicht zuletzt hat sich die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) als therapeutisches Konzept bewährt. Bei dieser wird Tinnitus als ein Wahrnehmungsproblem verstanden. Die Behandlungsphilosophie beruht auf der Erkenntnis, dass Tinnitus - ähnlich dem Phantomschmerz - im Wesentlichen Folge eines plastischen Prozesses zentraler Hörbahnbereiche ist. Die tinnitusspezifische Beratung strebt die Rückbildung dieser Veränderungen durch Denk- und Verhaltensweisen an. Wissensvermittlung, das Reduzieren von Ängsten, der Umgang mit Stress, sowie das Erlernen von Entspannungstechnken bilden zentrale Bausteine dieses Verfahren. Bestenfalls wird dieser Prozess durch akustische Maßnahmen wie Rauschgeneratoren, die Versorgung mit Hörgeräten, Musik oder Experimentieren mit Geräuschen aktiv unterstützt.


GANZ OHR - PSYCHOLOGISCHE PRAXIS

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